Wenn der Sommer leiser wird – Wandern im Spätsommer am Wilden Kaiser

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Langsam wird es kühler.

Die lange Hochsommerphase geht zu Ende und am Morgen spürt man bereits diese Frische in der Luft, die uns daran erinnert: Der Sommer wird langsam leiser.

Auch bei uns am Knollnhof war es heuer über längere Zeit heiß und sehr trocken. Das stabile Sommerhoch war natürlich wunderschön und hat unseren Gästen viele herrliche Urlaubstage beschert.

Für uns in der Landwirtschaft hatte dieselbe Wetterlage aber auch eine andere Seite.

Speziell unsere Alm hat sehr mit der Trockenheit zu kämpfen. Wenig Niederschlag bedeutet wenig Wasser, weniger Wachstum und damit auch weniger Futter für unsere Rinder.

Das gehört zur Ehrlichkeit in der Landwirtschaft dazu.

Was für unsere Gäste traumhaftes Sommerwetter ist, kann für die Natur und für uns Bauern gleichzeitig eine sehr herausfordernde Zeit sein.

Vielleicht ist es gerade diese Abhängigkeit von Wetter und Jahreszeiten, die uns immer wieder daran erinnert, dass wir Menschen eben nicht alles bestimmen können.

Deshalb freuen wir uns jetzt umso mehr auf die Abkühlung, frischere Nächte und etwas mildere Temperaturen.

Und damit beginnt für mich auch eine der schönsten Zeiten zum Wandern am Wilden Kaiser.


Wandern im September – wenn die Sicht wieder klarer wird

Speziell ab September fühlt sich das Wandern am Wilden Kaiser für mich noch einmal anders an.

Die große Hitze lässt langsam nach. Die Morgen werden frischer, das Licht verändert sich und an klaren Tagen wird die Fernsicht in den Bergen oft beeindruckend.

Manchmal kann der Blick von oben viele Kilometer weit über die Tiroler Bergwelt schweifen.

Und dann passiert etwas ganz Einfaches.

Man bleibt stehen.

Nicht weil man muss.

Sondern weil man schauen möchte.

Innehalten. Durchatmen. Und vielleicht selbst wieder etwas langsamer werden.

Eigentlich passt genau das zu unserem Motto am Knollnhof:

Slow Travel. Slow Living. Slow Food.

Nicht möglichst viel in möglichst kurzer Zeit erleben.

Nicht jede Wanderung nach Kilometern, Höhenmetern oder Gipfeln bewerten.

Sondern hinausgehen. Einen Weg gehen. Die Natur wahrnehmen. Einkehren. Zurückkommen.

Und am Abend vielleicht feststellen, dass gerade jene Momente hängen geblieben sind, die man gar nicht geplant hatte.

Durch unsere Lage am Stampfanger in Söll beginnt so ein Wandertag für unsere Gäste zudem ganz unkompliziert.

Das Auto darf auch einmal Urlaub machen.

Der kostenlose KaiserJet startet direkt vor unserer Haustür und bringt Wanderer bequem Richtung Scheffau oder Ellmau. Beide Orte sind wunderbare Ausgangspunkte für Wanderungen am Wilden Kaiser.

Und heute geht es für uns nach Ellmau.

Unser Ziel: die Gruttenhütte.


Heute geht’s auf die Gruttenhütte

Ausgangspunkt unserer Wanderung ist die Wochenbrunner Alm oberhalb von Ellmau.

Schon hier steht der Wilde Kaiser mächtig über einem.

Von der Wochenbrunner Alm führt der Weg zunächst vorbei an der Gaudeamushütte. Danach gibt es verschiedene Möglichkeiten, zur Gruttenhütte aufzusteigen.

Wir entscheiden uns heute für die abwechslungsreichere Variante über das Klamml.

Ich mag diesen Weg.

Er bringt Abwechslung in den Aufstieg und führt einen noch ein Stück näher hinein in die Felswelt des Wilden Kaisers.

Für trittsichere und schwindelfreie Bergwanderer ist das Klamml gut machbar – unterschätzen sollte man den Weg trotzdem nicht.

Kurze Passagen über Leitern, ein paar etwas luftigere Stellen und der teilweise schmale Steig sorgen dafür, dass man mit dem Kopf wirklich dort ist, wo auch die Füße gerade sind.

Kein großes Spektakel.

Aber schön.

Und da und dort eben doch ein bisschen spannend.

Schritt für Schritt geht es nach oben.

Und irgendwann öffnet sich das Klamml.

Man kommt oben heraus, hebt den Blick – und da ist sie:

die wunderschön renovierte Gruttenhütte, mitten in der beeindruckenden Kulisse des Wilden Kaisers.

Es ist auch für mich immer wieder schön, dort oben anzukommen.

Obwohl ich den Kaiser gut kenne.

Vielleicht sogar gerade deshalb.


Die kleine Extrameile

Heute ist bei der Hütte noch nicht Schluss.

Wir nehmen noch ein paar zusätzliche Höhenmeter mit und gehen hinauf zum Gruttenkreuz oberhalb der Hütte.

Es ist keine riesige Verlängerung der Tour.

Aber manchmal lohnt sich genau diese kleine Extrameile.

Oben wartet ein wunderschönes Gipfelkreuz, meist etwas weniger Gewusel als direkt bei der Hütte – und eine Aussicht, die schwer in Worte zu fassen ist.

Der Blick schweift über die Berge.

Man setzt sich hin.

Atmet durch.

Und plötzlich wird vieles, was unten noch wichtig erschienen ist, ein bisschen kleiner.

Genau das sind für mich diese besonderen Bergmomente.

Nicht der Gipfel allein.

Nicht die zusätzlichen Höhenmeter.

Sondern dieses Gefühl, für ein paar Minuten einfach nur da zu sein.

Über meine persönliche Beziehung zum Wilden Kaiser habe ich hier im Blog schon einmal geschrieben.

Für mich ist er kein Berg, den man einfach „macht“.

Kein Gipfel zum Abhaken.

Ich habe ihn damals einen Weg-Berg genannt.

Einen Berg, der einem zeigt, wie man geht.

Und vielleicht passt dieser Gedanke im Spätsommer besonders gut.

Lesetipp: „Der Wilde Kaiser – ein Berg mit Rückgrat. Meine persönlichen Gedanken.“

Nach einer kurzen Verschnaufpause geht es wieder hinunter zur Gruttenhütte.

Und jetzt gehört für mich etwas ganz Wesentliches zu einem schönen Bergtag:

eine Jause.

Draußen sitzen. Etwas essen. Etwas trinken. Noch einmal zurückschauen auf den Weg, den man gerade gegangen ist.

Und nicht schon beim Essen überlegen, was als Nächstes kommen muss.

Danach steigen wir über einen anderen Weg wieder Richtung Wochenbrunner Alm ab.

So wird aus unserer Tour eine wunderschöne Rundwanderung am Wilden Kaiser.

Und genau solche Wege mag ich besonders.

Man geht nicht einfach denselben Weg zurück.

Hinter jeder Kurve zeigt sich wieder eine andere Perspektive.


Nicht jeder Weg braucht einen großen Gipfel

Vielleicht ist das überhaupt etwas, das sich bei mir über die Jahre verändert hat.

Früher war ein Gipfel oft das Ziel.

Heute ist es viel öfter der Weg.

Natürlich gehe ich immer noch gerne auf einen Berg. Natürlich freue ich mich über ein Gipfelkreuz und eine schöne Aussicht.

Aber ich glaube, man versäumt etwas, wenn man eine Wanderung nur danach beurteilt, was am höchsten Punkt wartet.

Ein Blick zurück.

Ein kurzer Moment im Klamml.

Die frische Luft am Morgen.

Das Licht auf den Felsen.

Ein Gespräch unterwegs.

Oder fünf Minuten ganz allein vor einem Gipfelkreuz.

Oft sind es genau diese kleinen Dinge, die einen Bergtag besonders machen.

Vielleicht ist das auch der Grund, warum ich den Spätsommer am Wilden Kaiser so gerne mag.

Alles wird ein wenig ruhiger.

Und dadurch nimmt man manches wieder bewusster wahr.


Zurück am Knollnhof

Irgendwann geht es zurück nach Söll.

Zurück zum Knollnhof.

Auch das gehört für mich zu einem schönen Wandertag dazu:

wieder heimkommen.

Im Spätsommer und Herbst verändert sich auch bei uns am Hof die Stimmung.

Alles wird langsam etwas ruhiger.

Wenn unsere Rinder von der Alm zurückkommen, grasen die Kühe wieder auf den Wiesen direkt hinter dem Haus.

Und dann hört man es wieder.

Das ruhige, rhythmische Klingen der Kuhglocken.

Kling.

Pause.

Kling.

Fast schon meditativ.

Wer sich die Zeit nimmt und eine Kuh nicht nur kurz fotografiert, sondern sie wirklich einmal eine Weile beobachtet, wird vielleicht verstehen, was ich meine.

Eine Kuh hetzt nicht.

Sie frisst. Sie kaut wieder. Sie schaut. Sie liegt. Sie steht wieder auf.

Und sie scheint dabei erstaunlich wenig Angst zu haben, irgendetwas zu verpassen.

Darüber habe ich bereits in einem anderen Beitrag geschrieben:

„Die Kuh als Therapeutin – was wir von einer Herde lernen können.“

Vielleicht können gerade wir Menschen davon etwas lernen.

Nicht immer schneller.

Nicht immer mehr.

Manchmal einfach da sein.


Wenn der Sommer leiser wird

Der Spätsommer und der beginnende Herbst am Knollnhof sind für mich deshalb eine ganz besondere Zeit.

Nicht weil plötzlich alles perfekt ist.

Dieser Sommer hat uns wieder gezeigt, wie unterschiedlich ein und dasselbe Wetter erlebt werden kann.

Für unsere Gäste waren viele Sonnentage ein Geschenk.

Für uns in der Landwirtschaft war die Trockenheit teilweise eine echte Herausforderung.

Beides ist wahr.

Und vielleicht ist genau das Natur.

Nicht inszeniert.

Nicht planbar.

Nicht jeden Tag gleich.

Jetzt werden die Nächte wieder kühler.

Die Luft wird klarer.

Das Wandern am Wilden Kaiser bekommt einen anderen Rhythmus.

Und auch bei uns am Hof wird es langsam etwas stiller.

Der Sommer wird leiser.

Vielleicht hören wir gerade deshalb wieder mehr.

Den Wind im Wald.

Die eigenen Schritte am Weg.

Das Läuten der Kuhglocken.

Oder einfach uns selbst.

Das ist für mich Slow Travel.

Nicht langsamer, weil man weniger erleben möchte.

Sondern langsamer, damit man wieder mehr davon mitbekommt.


Häufige Fragen zum Wandern im Spätsommer am Wilden Kaiser

Ist September eine gute Zeit zum Wandern am Wilden Kaiser?

Für mich gehört der September zu den schönsten Zeiten zum Wandern am Wilden Kaiser. Die große Sommerhitze lässt meist nach, die Morgen werden frischer und an klaren Tagen ist die Fernsicht oft besonders schön. Wie immer in den Bergen gilt aber: Wetter und aktuelle Bedingungen beachten und die Tour entsprechend auswählen.

Kann man vom Knollnhof autofrei zum Wandern starten?

Ja. Durch unsere Lage am Stampfanger in Söll können viele Ausgangspunkte unkompliziert und autofrei erreicht werden. Der kostenlose KaiserJet hält direkt vor dem Haus und verbindet Söll unter anderem mit Scheffau und Ellmau. So kann das Auto im Urlaub auch einmal stehen bleiben.

Ist der Weg durchs Klamml zur Gruttenhütte für jeden geeignet?

Der Weg durchs Klamml ist abwechslungsreich, teilweise schmal und an einigen Stellen etwas luftiger. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind Voraussetzung. Wer sich dabei nicht wohlfühlt, wählt besser eine andere Aufstiegsvariante zur Gruttenhütte. In den Bergen gilt für mich immer: Nicht die Tour muss zum Plan passen – die Tour muss zum Menschen, zum Wetter und zu den aktuellen Verhältnissen passen.


Vielleicht ist jetzt genau deine Zeit für den Wilden Kaiser

Vielleicht musst du den Sommer gar nicht verlängern.

Vielleicht darfst du ihn einfach etwas langsamer ausklingen lassen.

Am Morgen die Wanderschuhe anziehen.

Hinaus zum Wilden Kaiser.

Einen Weg gehen.

Oben eine Jause genießen.

Und am Abend zurück zum Knollnhof kommen, während hinter dem Haus die Kuhglocken läuten.

Slow Travel. Slow Living. Slow Food.

Nicht als Werbespruch.

Sondern so, wie wir hier leben.

Wenn du diese besondere Zeit am Wilden Kaiser selbst erleben möchtest, freuen wir uns auf dich bei uns am Demeterhof Knolln in Söll.

Buche deine Auszeit am Knollnhof – und erlebe, wie gut es tun kann, wenn der Sommer langsam leiser wir

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